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Der Bagoss Karneval - 23/24 febbraio 2004
Die
geographische Abgeschiedenheit Bagolinos förderte über
Jahrhunderte hinweg die Entwicklung einer ganz eigenen Tradition,
die heute weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist: Den Bagosso
Karneval. Die Attraktionen dieses volkstümlichen Karnevals
sind die Tänzer, die Musikanten und die "Maschér"
(die Masken). Musik und Tänze, Schwerpunkt des Karnevals, bewertet
Sordi wie folgt: " ... ein einzigartiges Phänomen in Italien
und mit wenig Vergleichbarem in Europa, ein eindrucksvolles Beispiel
für die Komplexität, die eine volkstümlich-musikalische
Kultur schaffen kann ...". Wie tief verwurzelt der Karnevalsbrauch
schon früher war, zeigen einige Auszüge aus Gemeindeurkunden
aus dem 16. Jh. Eine Urkunde von 1518 belegt eine Anweisung der
Gemeinde, die Künstlerkompanie aus Laveno mit Käse für
deren Teilnahme am Karneval zu entlohnen. Man muss wissen, dass
es damals unter den Dörfern üblich war, sich gegenseitig
auf die Feier einzuladen. Das Protokoll eines seelsorgerischen Besuchs
des Bischofs Giorgio Sigismondo Sinnersberg in Jahre 1694 berichtet,
dass dieser einige Priester tadelte, die "in der Karnevalszeit
sogar maskiert herumzogen."
Buccio, ein Landsmann aus dem 19. Jh., erwähnt, wie der Karneval
zu seinen Zeiten mit großer Fröhlichkeit gefeiert wurde.
Man wählte "Direktoren", die die Aufgaben hatten,
Krawalle zu vermeiden. Zu diesem Fest, ergänzt Buccio, "...
wurden die Einladungen gegenseitig ausgesprochen ... unter den Gemeinschaften
von Storo und von Condino ... auch mit gegenseitigen Banketten pflegte
man die Gesellschaft, die Liebe, den Briefwechsel...".
Don L. Zenucchini, Pfarrer von Bagolino, schrieb 1929 den salesianischen
Missionaren von Ivrea: "... Der Karneval von Bagolino ist charakteristisch
und, obwohl er aus offensichtlichen Gründen von der Kirchenbehörde
nicht erlaubt ist, lebt er weiter, im Allgemeinen tut man nichts
Schlimmes ... sogar Siebzigjährige maskieren sich ...".
Der Erinnerung eines betagten Mitbürgers nach, folgt der Bagosso
Karneval unverändert der alten, verwurzelten Tradition. Diese
Tradition kommt an den Karnevalstagen durch die Tänzer und
die lokalen Masken zum Ausdruck.
| Die
Tänzer |
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Die
Tänzer und die Musikanten treten nur am Faschingsmontag und
Faschingsdienstag auf. Der Tänzer fällt durch seinen fantasievollen
Hut auf. Die Kopfbedeckung aus Filz mit niedriger Wölbung ist
mit einem meterlangen roten Band gedeckt. Die Bänder sind speziell
genäht und mit Kräuselungen gefaltet. Die Technik dafür
ist den Dorffrauen bestens bekannt. Dem roten Band ist das Familiengold
aufgenäht. Einige alte Hüte waren mit kleinen Schellen,
kleinen Spiegeln und "méérine" geschmückt
(méérine ist eine Art vergoldete oder versilberte
Koralle, die zusammengenäht die Buchstaben S oder Herzen bildeten).
Auf der linken Hutseite befand sich eine große, bunte Masche
wie bei den Bersaglieri, die aus zahlreichen bunten Bändern
gebildet war. Die Kleidung der Tänzer ist die ganz normale,
dunkle Alltagskleidung, die zum Karneval mit viel Geschick dekoriert
wird. Die Hosen sind auf Kniehöhe seitlich mit Stickereien
aus farbigen Bändern bestückt.
Serpentinenförmige Nahtbänder bzw. Posamente (Verzierungen)
in Form von Stickereien schmücken das Jackett. Am linken Ärmel
ragt ein Band oder eine Kokarde hervor. Über die Schultern
laufen große Träger aus weißer Baumwolle mit Knebelverschlüssen.
Diese Zierde wurde erst nach 1915 eingeführt. Zuvor waren die
Träger schlicht und die Stickerei bestand aus einer Litze.
Ein breites Band aus Seide, Samt oder Spitze, von der rechten Schulter
über die Brust zur linken Hüfte umgehängt, endet
mit vielfarbigen Quasten, Kokarden bzw. Schleifen. Die Händen
tragen weiße Handschuhe. Die weißen, handgefertigten
Socken mit roten Untersocken, werden an der Wade durch die "sènte"
(am Webstuhl gewobene Posamente, die es in dieser Form nur in Bagolino
gibt) gehalten und tragen an den Rändern jeweils je drei bunte
"mèsoline" (Quasten). Die Schuhe sind schwarz.
Ein großer Schal mit Fransen ergänzt das Kostüm.
Der Schal ist unterhalb der Träger befestigt, um den Hals geknotet
und fällt über den Rücken. Die innen mit geschmolzenem
Wachs behandelten, elfenbeinfarbigen Leinenmasken nehmen keinen
Körperschweiß auf. Ein Halstuch, das auch den Kopf bedeckt,
hält die Maske fest.
| Die
"Kompanien" der Tänzer |
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In Bagolino gab es vier Tänzer-"Kompanien"
mit insgesamt etwa 150 Männern. Jede der Gruppen suchte die
anderen an Größe zu übertreffen. Um sich nicht gegenseitig
ins Gehege zu kommen, tanzten die "Kompanien" in jeweils
verschiedenen Straßen. Die Tänzer durften von einer "Kompanie"
zur anderen wechseln. Die Sonaten (Musik) waren bei allen gleich.
Heute gibt es noch zwei "Kompanien": Eine im Hauptort
und eine in Ponte Caffaro. Unter der Leitung eines oder zweier "Tanzführer"
führen sie jedes Mal die "ausgewählten Tanzlieder"
auf. Der "Führer" ruft die Tänzer mit seinem
Kornett aus Messing "zur Ordnung". Das Kornett führt
er um den Hals mit sich. Er sagt die Titel der Tanzlieder an und
leitet die Kompanie beim Übergang von einem Tanz zum anderen
mit lauten Anweisungen. Nach Überzeugung einiger älterer
Bürger weisen die typischen Anweisungen während der Tänze
"en crus" (überkreutzter Tänzerwechsel), "co
lè so balalè" (mit der eigenen "Frau"
tanzen), "en crus e balalè" auf eine frühere
Teilnahme der Frauen an den Tänzen hin.
| Die
Tänze beginnen |
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Auch wenn nur Männer Tänzer sind
und die gleiche Maske tragen, zeichnen sich die "weiblichen"
Masken mit zwei roten Flecken auf den Backenknochen aus, die sog.
"pomeì". Auf diese Art wird die Rolle des "om"
bzw. "capo" von der der Frauen "fomle" bzw.
"figura" unterschieden. Schlägt die Stunde der Tänze,
teilt der "Capo", also der "Führer", die
Gruppe in die "om" und die "fomle" auf und eröffnet
den Tanz. Die Tänzer beginnen ihre Tänze entlang der Dorfstraßen
und halten an festgelegten Orten an. Früher war es üblich,
drei Sonaten unter dem Fenster der Verlobten bzw. der Freunde zu
spielen. Die Tänzer bewegen ihre Hände sehr individuell
und scherzhaft. Die Einwohner von Bagolino nennen diese Gesten "segnacole".
Die Handbewegungen stehen im Gegensatz zu den Bewegungen des restlichen
Körpers und der ansonsten vornehmen Tänze, die eher an
die Hoftänze aus vergangenen Jahrhunderten erinnern. Sechs
Musikanten begleiten die Tänzer. Sie spielen zwei Gitarren,
zwei Geigen, eine Mandoline (diese wurde seit kurzem eingeführt)
und einen Kontrabass, der scherzhaft "vèdèl"
(Kalb) genannt wird. Im allgemeinen tragen die Musiker die lokale
Tracht. Der Kopf trägt einen "alten" Hut mit einem
einzigen Band um die Wölbung.
| Musikstücke
und Tänze des Karnevals |
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Die Musikstücke, die die Tänzer begleiten,
werden in der Öffentlichkeit ausschließlich am letzten
Faschingsmontag und Faschingsdienstag gespielt. Die Geige bestimmt
das Leitmotiv. Der eigenartig getragene Klang aus dem Wechselspiel
der Instrumente, der an ein Wiegenlied erinnert, kostet diese schönen
Sonaten kunstvoll aus. Die Instrumente werden von der traditionellen,
in ihrer Art einzigartigen, Darstellungskunst und meist von drei
Stimmen begleitet: Einer leisen und zwei hohen Stimmen. Der Klang
entsteht meistens, indem man die ersten zwei Saiten (mi-la), oft,
etwas weniger die dritte und niemals die vierte Saite zupft.
| Die
Tänze |
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Der
"Ariòzè" (dazu benötigen die Tänzer
einen großen freien Platz, da sie sich im Kreis aufstellen
müssen)
Bal Frances
Bas de Tac
- Biondina
- Busulu
- Francischète
- Meschèrine
- Molètè
- Monichèlè
- Pas en amur
- Roze e Fiori
- Saltè ‘n barchè
- Sefolòt
- Tonine
Unter den selten aufgeführten Tänzen sind zu nennen:
- Bal dei Pògn
- Bal de l’Urs
- Chedine
- Oibò
- Partensè Emanuèl
- Segnù
Experten haben versucht, Tänze und Musik auf ihren Ursprung
zu analysieren. Letztendlich sind die Wurzel des Karnevals von Bagolino
aber noch unklar. Vermutlich ist der herrschaftlich-vornehme Tanzkarneval
in Bagolino durch tiroler Einflüsse entstanden. Die an sich
sehr gesitteten Tänze stehen aber in Gegensatz zu den ganz
offensichtlich erotischen Anspielungen, die einige der Tanzschritte,
sowie das alte Ritual des volkstümlichen Faschings ausdrücken.
Die Tänze ahmen offenbar alte Hofrituale nach, die von den
Bewohnern von Bagolino neu interpretiert wurden. Hierin liegt auch
die Einmaligkeit der bagossi Tänze, die auch heute noch den
Kern des bagosso Karnevals ausmacht. Diese Tänze ohne diese
spezielle Interpretation aufgeführt, wären unbemerkt geblieben
und hätten nicht Jahrhunderte überdauert.
| Die
"Maschèr" (die Masken) |
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Der Karneval der "Maschèr"
ist der beredte Ausdruck der bäuerlichen Kultur und zeugt,
nach der Überlieferung, auch von einer schweren Vergangenheit,
als die Dorfbewohner, nur durch Maskierung geschützt, sich
gegen Feinde und Unterdrücker wehren konnten. Vor allem konnten
sie sich an den Grafen von Lodrone rächen, da es für diesen
sehr schwierig war, die Protagonisten zu ermitteln. Zur perfekten
Tarnung seiner Identität beschränkt sich der "Maschèr"
nicht nur auf die Maske, sondern bezieht Kleidung, Gangart sowie
seine ganze Haltung mit ein. In Gegensatz zu den Tänzern dürfen
die "Maschèr" auch nach dem Dreikönigsfest
sowie an den Montagen und Donnerstagen vor Fasching in den Straßen
auftreten. Während die Tänzer durch ihren "aristokratischen"
Auftritt die Stimmung aufhellen, durchdringen Dutzende von maskierten
Personen nach bagosser Art die Dorfstraßen. Die Kostüme
dieser Maskierten stammen ebenfalls von ihren Vorfahren ab. Im Unterschied
zu den Tänzer haben die Kostüme der Maskenträger
keine besondere Verzierungen.
| Die Kostüme |
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Der
"ceviòl"
Das männliche Kostüm, genannt
"ceviòl", besteht aus einem Gewand aus dickem Drillich,
meist in schwarz oder braun, den schon die Ahnen trugen.
Es besteht aus:
- knielanger Hose mit quadratischem Hosenladen mit zwei Knöpfen;
- weißem Hemd ohne Kragen;
- crozèt, einer vorn offenen Weste;
- weißen Socken oder Gamaschen aus demselben Stoff wie der
Anzug. Diese sind seitlich durch eine Reihe von gedeckten Knöpfen
geschlossen.
- einer Art örtlicher Bergschuhe aus hartem Leder und Holz.
Zum Karneval werden diese Bergschuhe so fest benagelt, dass sie
beim Gehen ihren ganz typischen Ton erzeugen. Dieser Ton ist das
Hintergrundgeräusch des Karnevals und wird durch das häufige
"Verkratzen" auf der Straße hervorgehoben.
Das Gesicht ist mit einer Maske, der restliche Kopf mit einem Hut
oder mit einem Tuch vollständig verdeckt.
Das
"guèrnèl"
Das weibliche Kostüm "guèrnèl"
besteht aus einem langen Rock aus dunklem, dickem und grobem, gestreiftem
Stoff. Früher wob man sowohl den Rock als auch die "gèdé"
(Schürze) am Webstuhl von Hand. Ein kurzes Mieder mit oder
ohne Ärmel, ein weißes Hemd, eine lange Unterhose und
ein großes Schultertuch mit Blumenmustern ergänzen die
Kleidung. Man kann das Schultertuch am Kopf oder überkreuzt
über den Schultern, und vorne unterhalb der "gèdé"
befestigt, tragen. An den Füßen tragen die Frauen die
"sopèi" (das sind Holzschuhe mit Holzsohle) und
Strümpfe. Ledige Frauen tragen weiße, verheiratete Frauen
tragen rote und ältere Frauen tragen violette Strümpfe.
| Folkloristische
Besonderheiten |
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Wenn
die "maschèr" die Straßen durchstreifen,
tragen sie verschiedene Gegenstände mit sich, die man früher
im Alltag benutzte, wie etwa Spinnräder, Heugabeln, "èrchècc"
(Fallen für Vögel), Rechen, Stöcke, "chèègnòi"
(Körbchen aus Weide), Kuhglocken "ciochè dèlè
ache". Einige Masken tragen auf ihrem Kopf eine Art Sack, den
sog. "bèstèrèl" und ein Korb, in
dem eine Puppe "schläft". Im allgemein erscheinen
die Masken in Gruppen und zeigen den Zuschauern zuweilen sexbeladene
und ordinäre Gesten. Nach einem alten Brauch soll man den "maschèr"
"cuè-cuè" zurufen. Dieser Ruf soll die "maschèr"
zum Schweigen bringen, als wären sie Betrunkene. Die Masken
verfolgen mit gespielt aggressiver Haltung die frechen Rufer und
stampfen dabei die "sgalbèr" auf der Straße.
Laut Tradition darf der angesprochene "mascher" üble
Scherze machen und den "cuè-cuè"-Rufer in
die mit Wasser gefüllten Brunnen "werfen". Obwohl
dieser Brauch nun etwas ungewöhnlich ist, wurde er in den letzen
Jahren bei den Kindern zum beliebtesten Faschingsscherz. Ein "Vergnügen",
das man nicht versäumen sollte. Bis vor einigen Jahrzehnten
traten die "maschèr" außerhalb der Faschingszeit
auch im Herbst in Erscheinung. Die jungen Männer im Dorf maskierten
sich gerne in der Zeit, in denen viele Mädchen zu "a sèstè"
(Körbe) gingen, also den Bauern beim Misten der Felder halfen.
Die maskierten jungen Männer nahmen abends lange Strecken in
Kauf, um die Mädchen auf den Bauerhöfen aufzusuchen. Bei
dieser Gelegenheit wurden Kastanien aus der Pfanne gegessen und
man kam sich näher. Die Wartezeit auf den Fasching wurde so
gleich viel kürzer.
| Die
Kompanie der Zuave |
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Die gesammelten Quellen belegen eine spezielle
örtliche Kompanie, die sog. "Kompanie der Zuave".
Die Zuave verschwanden nach dem ersten Weltkrieg als eigenständige
Gruppe. Die Zuave führten die gleichen Tänze wie die Ballerini,
also die Tänzer, aus, trugen aber ein anderes Kostüm.
Die männliche Figur trug eine weiße bzw. weiß-rote
Maske mit einem Schnurrbart. Ihre Hose war breit und knielang und
bestand aus farbigen Streifen. "Sie sahen wie Harlekin aus",
erinnern sich die Alten im Dorf. Der Kasack (Jacke) hatte einen
großen Kragen mit Spitze, der Tragriemen war an der Hüfte
gebunden. Die weibliche Figur trug eine weiße Maske. Auch
das Kostüm war weiß, handgewoben und bestand aus einem
kurzen Rock sowie aus einer Bluse mit einer Kräuselung an der
Manschette. Männer und Frauen trugen zweifarbige Strümpfe.
Über den Hut der Zuave sind sich die Schilderungen nicht einig.
Manche beschreiben ihn als beige, hier und dort mit Blumen und kleinen
Bändern gesteckt sowie mit einem bunten, aus vielen Bändern
komponierten Band an der Seite. "Es waren kleine Bänder,
nicht so wie bei den Tänzern" präzisiert eine interviewte
Person. Andere dagegen erinnern sich an einen Hut, der lediglich
mit einem bunten Band durchzogen war. Man vermutet, dass die Kompanie
der Zuave aus zwei Gründen unterging. Der erste war ein wirtschaftlicher
Grund. Die Zeiten nach dem Kriege waren schlecht und die Kostüme
waren sehr teuer. Wegen ihrer Machart konnte man diese Kostüme,
anders als die Kostüme der Tänzer, im Laufe des Jahres
nicht anderwärtig nutzen. Den zweiten Grund vermutet man in
dem Phantasiereichtum der jetzigen Kopfbedeckung der Tänzer,
die das Kostüm der Zuave "herabwürdigte". Vielleicht
verbirgt sich noch in irgend einer Truhe ein Exemplar eines Kostüms
der Zuave. Das könnte die Gründung einer neuen Kompanie
zur Wahrung der Tradition ermöglichen.
| Der
"Paiasso" ("Bajazzo") |
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Eine weitere Figur, die vielleicht ein Abstauben
verdient hätte, ist die des Bajazzos. Die Zeugnisse beschreiben
den Bajazzo übereinstimmend als "schlampig" gekleidet:
Sein Kleid konnte hier und dort bunte Flicken aufweisen. Er half
den Tänzerführern bei der Aufrecherhaltung der Ordnung
und hielt Zuschauer, die sich auf die Tänzer drängten,
auf Abstand. Aufgabe des Paiasso war auch, den Tänzern Wein
zu bringen. Er ging mit Rückentragkörben voller Wein herum,
um die "Bedürftigen" zu stärken.
| Konklusion |
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Nach alter, unveränderter Tradition schlängelt
sich der Karneval durch die Dorfstraßen in dem eindrucksvollen
Rahmen alter Häuser und pièstròi" (Wege),
die in Bagolino ihren Zauber noch unberührt ausstrahlen. Der
Karneval übertrifft den Schein und den Antagonismus zwischen
Glauben und Spektakel. Die im Dorf, gelebte, angespielte Erotik
macht den Bagosso selbst zum Akteur. Laut Seccamani macht sich der
Bagosso diese entgegengesetzten Verhaltensmuster und Gefühle
zu eigen. Er bewahrt sie und er schürt sie, da er von tausendjährigem
Leid gezeichnet ist. "Im Bewusstsein des Bagosso ist das stoische
Bedürfnis verwurzelt, diese Ereignisse zu überwinden,
die Widrigkeiten des Lebens dramaturgisch zu verschleiern, insbesondere
die Widrigkeiten eines Lebens in einem üppigen, aber auch isoliertem
Land." Der heidnische Karneval wird also als "Symbol der
Kräfte einer geheimnisvollen und irrationalen Regeneration
des Daseins bzw. als Symbol der luxuriös treibenden Jugendzeit"
empfunden und erlebt. Der Karneval verschmilzt mit und lebt in der
Seele des Bagosso in perfekter Symbiose mit dem festen, tiefen und
vom jahrhundertelangen Leid geprägten, tiefen Glauben. Der
Karneval zieht jedes Jahr nicht nur die abgewanderten Bagossi, sondern
auch zahlreiche Touristen an.
Die Bewohner von Bagolino empfinden den Karneval als persönlichen
Ausdruck einer jahrhundertelangen Tradition. Zuschauer sind herzlich
willkommen, sofern diese die örtlichen Bräuche respektieren.
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