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Die Hinweise zur Geschichte, Wirtschaft und Geographie
stammen aus dem Buch
von Luciarosa Melzani "Bagolino Storia di una comunitš", herausgegeben
durch da GM & Ti di Ciliverghe (BS).
Einfhrung
Mit Ende der Eiszeit und dem ®¢bergang zu
einen gem”©∫igtem Klima breiten sich Nadel-, Birken- und
Eichenw”lder in den T”lern aus und die Fauna nimmt ihre heute
Form an. Die Umweltbedingungen verbessern sich soweit, dass der Mensch die
Gegend besiedelt und mit Sammeln und Jagd ¸berleben kann. Die Lebensweise
als Sammler und J”ger wird bis 5000 - 3000 v. Chr. beibehalten. Die
Sammlung von wilden Getreidearten wird dann allm”hlich durch deren
Anbau abgel–st. Bisherige Wildtiere werden domestiziert. In Italien,
speziell im Alpenraum verl”uft dieser Kulturumbruch etwas sp”ter
als in anderen Gegenden. In unserer Provinz finden sich menschliche Spuren
ab dem Pal”olithikum. Die Bestimmung der Herkunft der damaligen Menschen
des Gebietes um Bagolino f”llt schwer, es fehlen Quellen und Funde.
Vermutlich steht die damalige Bev–lkerung in Zusammenhang mit einer
pr”historischen Kultur im benachbarten Valle Camonica.
8.000 - 6.000
v. Chr.
Menschliche Zeugnisse wurden in der Nähe
der Seen Ravenole und Dasdana gefunden. Funde am nördlichen Ufer
des Dasdana Sees: Artefakte aus Stein z.B. abgeschlagene Kiesel.
Bei den kleinen Seen von Bruffione: Einen winzigen Grabstichel und vier
Kieselsteine aus dem Neolithikum.
Bei den Seen von Vaia: Zwei Kieselsplitter.
6.000
- 5.000 v. Chr.
Die Ritzzeichnungen im Valcamonica fallen in
diese Zeit und stellen Tiere dar. Es lässt sich bisher nicht feststellen,
ob sich der Mensch schon im Valle Camonica angesiedelt hat oder ob er
nur gelegentlich hierher zum Jagen kam.
5.000 - 3.000 v. Chr.
Die gefundenen Ritzzeichnungen belegen die
ständige Präsenz des Menschen und die einsetzende Landwirtschaft.
Wahrscheinlich waren die damaligen Menschen aus dem Orient oder Nordafrika
eingewandert und brachten von dort landwirtschaftliche Technik mit. Klimaveränderungen
in den Herkunftsgebieten mag den Migrationsdruck begünstigt haben.
Die beginnende Landwirtschaft verändert die bisher nomadische Lebensform
der alpinen Völker, die sich nun fest niederlassen.
3.000
- 2.000 v. Chr. (Kupferzeit, Goldenes Zeitalter,
Silberzeit)
Die Felsgravuren stellen neben Menschen, auch
konkrete und abstrakte Gegenstände dar.
Im zweiten Jahrtausend v. Chr. wandern in unsere Provinz einige ligurische
Volksstämme, die Räter bzw. Euganei ein.
22.000
- 1.000 v. Chr. (Bronzezeit)
Die Felszeichnungen zeigen Szenen mit Männern
bei landwirtschaftlichen Arbeiten und im Kampf. Man findet auch Darstellungen
von bestellten und eingezäunten Feldern. Die Gegend um Brescia ist
von den geheimnisumwitterten Etruskern besetzt. Nach einigen Forschern
sind die Etrusker aus Kleinasien eingewandert. Die Ethnie der Provinz
Brescia wird somit in größerem Maße heterogen.
300 - 100 v. Chr. (Eisenzeit)
Die Felsgravuren werden zunehmend komplexer. Mit Beginn
der Kolonialisierung Italiens durch Griechen und Römer beginnt der
langsame Zerfall der Kultur des Valcamonica und endet mit der Unterwerfung
dieses Volkes durch Rom.
Die R–mer erobern die Brescianer
Gebiete. Im Jahre 170 v. Chr
Ungefähr 170 v. Chr. erreichen die Römer auch die Brescianer
Gebiete und unterwerfen die Kelten, die vermutlichen Gründer von
Brescia und seit etwa 360 v. Chr. Herrscher über dieses Gebiet. Diese
hatten nahezu die gesamte Brescianer Bevölkerung besiegt, als einige
Volksstämme unter der Führung von Reto Widerstand leisten. Diese
schwächeren Volksstämme müssen sich in die Alpen zurückziehen,
die heute nach ihnen Rätische Alpen genannt werden. Dort vermischten
sie sich schließlich mit der bereits ansässigen Bevölkerung
unserer Berge. Einige Jahrzehnte später, etwa im Jahre 89 v. Chr.,
besiegeln die verbliebenen Kelten ihre Anpassung an die römischen
Eroberer und nehmen die römische Staatsbürgerschaft an. Allerdings
bleiben in den Brescianer Bergen einige Bevölkerungsgruppen, wie
die Camuni (also die Bewohner des Val Camonica), die Triumplini und die
Vennoni (die Bewohner des Val Sabbia), ihren bisherigen Traditionen treu
und wollen sich der römischen Herrschaft nicht unterwerfen. Tapfer
und beharrlich verteidigen die Bergbewohner ihre Täler bis sie nach
jahrelangen harten Kämpfen, sich den Generälen Livius Drusus
und Tiberius beugen müssen, die vom Kaiser mit der Eroberung der
Brescianer Täler beauftragt wurden. Obgleich Sieger, respektieren
die Römer die alpinen Stämme und gravieren deren Namen in die
Siegessäule von Turbia bei München ein, die zu Ehren des Kaisers
Augustus errichtet wurde. Diese Siegessäule trägt die Namen
der 44 besiegten Völker. Unter ihnen werden die Triumplini und die
Camuni aufgezählt, jedoch nicht die Sabini. Rossi gibt dazu folgende
Erklärung:" ... Einst war das Valtrompia mit dem Val di Sabbia
verbunden. Die Bevölkerung beider Täler werden von Plinius und
von Sigonio Vennoni erwähnt ... " Man nimmt daher an, dass die
Bezeichnung Triumplino auch den Namen Sabini bzw. Vennoní (oder
Venij) mit einschließt.
Bagolino römischer Pago?
Vermutlich geriet mit der Eroberung der Gegend auch Bagolino unter römische
Herrschaft. Folgende Indizien stützen diese Vermutung: Der Fund einer
römischen Statuette im 19. Jh. In seinem Manuskript berichtet Panelli,
ein hiesiger Historiker des 19. Jahrhunderts, vom Fund des kostbaren Zimeliums
durch einen gewissen Lorenzi. Lorenzi wollte auf dem Dos dei Balbane,
bei Ponte Caffaro, einen Stand für Vogelfänger bauen und hatte
gerade eine Grube ausgehoben, als " .. er einen wunderschönen
Kopf aus Metall fand. Es handelte sich um eine wundervolle Arbeit. Der
Kopf trug einen Helm und auf dem Helm befand sich eine Sphinx ...",
so Panelli. Die Antiquare jener Zeit erkannten in dieser "Statuette"
die Züge der von den Römern geehrten Göttin Minerva. Einige
Ausdrücke des hiesigen Dialekts, die auf den römische Stamm
hindeuten, sind: - Lèré (Dachboden): Er wurde so bezeichnet,
weil dort mit dem Beginn des Christentums die Bilder der antiken Hausgottheiten,
also der römischen Lari, abgestellt und vergessen wurden. - Glesiè-gesiè,
alter Ausdruck für Kirche, der vom Lateinischen "ecclesia"
stammt.
Christianisierung: 300 n. Chr.
Die Bewohner des Caffaro Tals beteten verschiedene Götter an, unter
ihnen Tunol, Saturn, Tor, Bergino, den Gott Pane, dem sie die besten Lämmer
opferten, die Göttin Cerere, der sie Früchte des Bodens schenkten,
und den Gott Termine. Nach Überlieferung waren Termine die Berge
geweiht. Dieser Gott beschützte auch das Eigentum an Grund und Boden.
Man erzählt sich, wie die ihm geopferten Opfertiere an großen
Ringen gefesselt wurden. Diese Ringe waren an hohen Felsen befestigt.
Nach diesen Erzählungen wurde einer dieser Ringe bei dem Berga (Caldoline
Gipfel) gefunden. Reminiszenzen an diese Zeit finden sich heute noch in
einigen Ortsbezeichnungen wie via Pagana (Heiden Weg), orto dei Pagani
(Gemüsegarten der Heiden) in Bagolino und Rocca pagana (heidnischer
Fels) in Storo. Die antiken Rituale, die an diesen Orten zu Ehre der Götter
zelebriert wurden, dürften im Laufe der Zeit zu Verwechslungen mit
Teufelsverehrung und Hexereien geführt haben. Mittlerweile verbreitet
sich das Christentum. Einer der ersten Prediger, die nach Bagolino kamen,
war der Hl. Vigilio , Bischof von Trient. Papst Damaso schickte ihn zur
Mission in die Brescianer Gegend. Der Hl. Vigil starb am 26. Juni 403
im Rendena Tal den Märtyrertod. Mit der allmählichen Etablierung
ihrer Macht im niedergehenden römischen Reich gestaltet die christliche
Kirche die bisherigen Gebräuche um. Wie Di Rosa formuliert, akzeptiert
Kaiser Konstantin das Christentum als "demokratischen Verbündeten
im Machtkampf gegen die römische Aristokratie. Dabei wurden die Einrichtungen
der polytheistischen Tempel zu Gunsten der Bischöfe und der Pfarrkirchen
beschlagnahmt." Die alten römischen Bauernbezirke werden zu
Pfarrbezirken, Pfarrkirchen und Landesbezirken als Administrationsstrukturen
mit eigener Gerichtsbarkeit. Die Gemeindeverwaltungen werden zu Diözesen.
Der christliche Gott und die Heiligen ersetzen somit die in den Tälern
angebeteten primitiven Gottheiten und übernehmen deren Rolle als
Schutzgottheiten.
Bagolino wird den Giudicarie
angeschlossen, 600
Die große Gemeindeverwaltung des römischen Brescia erweitert
in dieser Zeit ihren Einfluss bis hin zu den Gemeinden Arco und Riva und
umfasste somit auch das Tal des Caffaro und des Sarca mit der Volksgruppe
von Fabia. Mit dem Einfall der Langobarden verliert die Gemeindeverwaltung
von Brescia wieder einen Teil seiner Gebiete, darunter auch Bagolino.
Aus strategischem Interesse, etwa zum Schutz der Grenzen und zur Verteidigung,
erobern die Langobarden diese Gebiete, gliedern sie in das Trentiner Herzogtum
ein und erweitern somit ihr Herrschaftsgebiet. Bagolino gehört somit
der Pfarrei von Condino (Pieve di Condino) an, einer der sieben Pfarreien,
die zum Trentiner Grenzgebiet gehören (Giudicarie). Diese Pfarrei
stand zunächst unter der Gerichtsbarkeit des Trentiner Herzogtums.
Infolge der Schenkung des Herzogtums an die Bischöfe von Trient durch
die Langobarden, gerät die Pfarrei in den Machtbereich der Bischöfe,
die den Titel "Fürstbischof" erwerben.
Der Ursprung von Ponte Caffaro:
Die Benediktinermönche beginnen
mit der Urbarmachung der Pian d'Oneda:
1000 und darauffolgende Jahre
Die ersten schriftlichen Urkunden über Bagolino gehen auf das Jahre
1000 n. Chr. zurück. Sie berichten von einem Gebiet namens Pian d'Oneda
bei Ponte Caffaro, das südlich von Bagolino liegt. Es handelt sich
um das sumpfige und ungesund-feuchte Mündungsgebiet des Flusses Caffaro
in den Idro See, das später dem Ortsgebiet Bagolinos angehören
wird. Ungefähr um 1100 (es gibt verschiedene Versionen über
den Verlauf) wurden offenbar diese Gebiete von fränkischen bzw. langobardischen
Königen dem Kloster S. Pietro in Monte di Serle geschenkt. Die langobardischen
Könige bestärkten das Christentum. Die Mönche erhielten
die Aufgabe zur Urbarmachung des Gebietes und dort eine Herberge für
die zahlreichen Wanderer zu errichten. Auch die Bagossi (also die Einwohner
von Bagolino) mussten den Pian d'Oneda passieren. Vor dem Bau der Brücke
in Prada führte die einzige Verbindung nach Brescia über die
Brücke von Romanterra, andernfalls nur über den Maniva-Pass.
Man fuhr das rechte Ufer des Caffaro entlang bis zur Straßengabelung
der Armadure. Von hier kam man über eine Straße, die sog. "Bagozzina",
nach Pian d'Oneda. Nach einer anderen Geschichtsversion wurden diese Gebiete
den Bewohnern der Dörfer Storo, Darzo, Lodrone, Bovile und Villa
di Ponte den Benediktinern anvertraut. Diese alten Dörfer verschwanden
infolge von Überschwemmungen. Um das Jahr 1000 hätten die Dorfbewohner
die Mönche mit der Urbarmachung des gesamten Piano d'Oneda beauftragt.
Die Mönche sollten auch eine Herberge und eine Kirche zur Ehre des
Hl. Giacomo errichten. Als Nachweis dieser Version zitiert Panelli einen
von ihm gefundenen Brief von G. Bonardelli vom 20. März 1579 an den
Pfarrer Manzoni, in dem von diesem Auftrag die Rede ist. Die einzige Fundstelle
zu dieser Aufforderung zur Urbanisierung ungefähr um das Jahre 1000,
wurde von Panelli in seine Handschrift abgeschrieben. Sie lautet: "...
rogamus vos domine Pater Abbas de Monte, ut veniatis in locus nostri de
casalis et ibi edificetis ecclesia et Monasterum in onore sti Jacopi apostoli
Majori, et ibi permaneatis laborando in honore Dei... "
"... rogamus vos domine Pater Abbas de Monte, ut veniatis
in locus nostri de casalis et ibi edificetis ecclesia et Monasterum in
onore sti Jacopi apostoli Majori, et ibi permaneatis laborando in honore
Dei... ". Nach einer anderen Quelle übernahmen die Mönche
erst um 1213 das Gebiet. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die gesamte Ebene
einem gewissen Petro de Tosino sowie anderen Leuten aus Anfo gegen eine
Gebühr von 8 silbernen Pfunden der Mailänder Währung (Odorici)
vermietet. Tatsächlich beginnen die Benediktiner die Urbarmachung
mit dem Anpflanzung großer Erlenplantagen. Aus dem lateinischen
Wort ones für Erle leitet sich der Name Pian d'Oneda ab. Die Benediktinermönche
errichten auch eine Kirche, die dem Hl. Giacomo, dem Schutzheiligen der
Pilger, geweiht wird. Sie bauen ebenfalls eine Herberge("Xenodochio"),
wo die vielen durchreisenden Wanderer kostenlose Unterkunft und Verpflegung
finden. Die Bauern, die den Mönchen bei der Sanierung des Piano helfen,
leben in kleinen Bauernhöfen neben der Kirche, den sog. caselle.
Bagolino als Lehen der Fürstbischöfe
von Trient
Während Bagolino dem Fürstentum von Trient angehört und
dessen Gerichtsbarkeit untersteht, wechseln in diesen Jahrhunderten die
herrschenden Kaisergeschlechter: Franken, die deutschen Kaiser etc.
Mit de "constitutio de feudis" des Salier-Kaisers Konrad im
Jahre 1027 beginnt auch die "feudale Regierung" der Kaiser.
Diese "Verfassung" regelt die Investituren der Lehensgüter.
Es hatte sich bei den Herrschaftsträgern (Könige, Adlige) die
Sitte eingebürgert, Teile ihrer Territorien ihnen wohlgesonnenen
Geistlichen und Laien "als Lehen" zu überlassen.
Der Machtkampf zwischen Guelfen
und Ghibellinen
Italien ist inzwischen von den internen Auseinandersetzungen zwischen
Guelfen und Ghibellinen zerrissen.
Auch Bagolino kann sich aus diesen Kämpfen nicht heraushalten. Seit
längerer Zeit hat sich Bagolino in bürgerlichen Fragen Brescia
angeschlossen, obwohl das Dorf der kirchlichen Verwaltung der Pfarrei
von Condino unterliegt. Bagolino erhebt sich also gegen die ghibellinischen
Bischöfe von Trient.
Aber die Gemeinschaft von Bagolino verkalkuliert sich. In diesen kriegerischen
Zeiten tritt Brescia in einen Grenzkrieg gegen Cremona und Bergamo ein.
Das kriegsmüde Bagolino unterwirft sich 1192 schließlich freiwillig
den Fürstbischöfen von Trient.
Um 1200 wird das Dorf zuerst an das Geschlecht der Arcos verschenkt. Das
Geschlecht der Arco ist die mächtigste Familie des Fürstentums
von Trient, dessen Besitz an das Territorium der Lodron angrenzt. Ungefähr
1212 wurde Bagolino an die Metifoco von Breno und der Brescianer Familie
De Salis verschenkt.
Kaum ist in Italien der Hass zwischen Guelfen und Ghibellinen erneut entflammt,
bereut Bagolino, sich Trient unterworfen zu haben, befürwortet die
guelfische Sache und schließt sich endgültig Brescia an.
Bagolino und die Herren von Lodron
Die Urkunde (Nr. 105 S. 224-225) aus dem "Codex Wangianus" belegt,
dass im 13. Jh. (1212) das Gebiet um Bagolino noch einer wichtigen Brescianer
Familie zugeteilt ist, obwohl es dem Herrschaftsbereich der Fürsten
von Trient unterworfen ist.
Später, offiziell erst 1366, tritt in die Geschichte Bagolinos und
seiner Nachbardörfern das mächtige Geschlecht der Londron ein.
Die Lodron sind Vasallen der Fürstbischöfe von Trient und verteidigen
nachdrücklich die südlichen Gebiete der Fürstbischöfe.
Dafür beansprucht das Geschlecht über Jahrhunderte feudale Rechte
auf das Land. Wer sind nun diese Herren von Lodron? Wie und wann kamen
sie in den Besitz von Bagolino?
Die Vorfahren der Lodroni gehören wahrscheinlich zu den 13 Männern
aus Storo, die Ausserer als eine Art Landadelige beschreibt und der "nobilis
macinata Sancti Virgili", also dem adeligen Hof des Trentiner Bischofs,
angehörten. Diese Leute sind bereits Vasallen der Fürsten und
besitzen eigene Ländereien (Allod). Am 24. August 1189 überlässt
ihnen der Bischof Corrado von Trient als Schenkung das Schloss, die Kurie
(ein mittelalterliches Organ mit administrativen Funktionen) sowie das
alte Lehensgut von Lodrone (das sie übrigens bereits zuvor vom Geschlecht
Lodrone zusammen mit dem Geschlecht aus Storo erworben hatten). Diese
Güter werden danach unter ihnen aufgeteilt, wie eine Urkunde aus
dem Codex Wangianus S. 89-92 bezeugt.
Der formale Stammvater des Geschlechtes der Lodroni ist Paride, auch Parisio
genannt (1217). Wir interessieren uns aber für den Zweig der Lodroni
aus Castel Romano, der aus Albrigino stammt.
Der Zweig aus Castel Romano erhält, 1366 urkundlich belegt im Codex
Clesiano Il S. 45-45 bis, vom Bischof A. von Ortenburg die Investitur
der Vasallen und die Zehnten von Bagolino. Außerdem erhält
diese Familie die Investitur eines Teils der Kurie und des Schlosses von
Lodrone zu ihrer Verfügung.
Vor diesem Zeitpunkt ist unklar, wie und wann Bagolino dem Herrschaftsgebiet
der Brescianer Familie De Salis entzogen und dem des Geschlechts der Lodron
zugeschlagen wurde. Wahrscheinlich könnte eine intensive Recherche
in den Archiven eine Antwort auf diese Frage liefern. Bis dieses Rätsel
aufgeklärt wird, steht fest, dass ab 1350-1370 die Herren von Lodron
die herrschende Familie sind.
Ab diesem Zeitpunkt tritt das Geschlecht der Lodroni dominant in die Ereignissen
von Bagolino ein. Die Lodroni können sich so nachhaltig am Fürstenhof
von Trient durchsetzen, dass sie zur bestimmenden Kraft der unteren Giudicarie
werden.
Nach dem Aussterben des Zweiges von Castel Romano und nach einer wechselhaften
Geschichte, erhalten die Lodron erneut die Zehnten von Bagolino und weitere
Besitztümer von Castel Romano von Antonio und Paride (Beiname der
"Große" innerhalb des Zweiges von Castel Lodron)(Urkunde
von 1424 aus dem Codex Clesiano IV). Giorgio, der Stammvater der Grafen
von Lodron, und Pietro, ein Vorfahre der Grafen von Lodron von Castelnuovo
im Val Lagarina (dieser Zweig ist heute ausgestorben) waren ebenso wie
ihr Vater Paride tüchtige Kämpfer im Dienste der Serenissima.
Giorgio und Pietro wurden 1452 vom Habsburger Kaiser Friedrich III per
Urkunde zu Grafen ernannt.
Bagolino gelangt endgültig
in Besitz des Piano d'Oneda - 1300 und darauffolgende Jahre
Die Benediktinermönche, die bereits seit Jahrzehnten an der Trockenlegung
des Piano arbeiten, beschließen, dieses Gebiet zu verpachten. Als
Motive für ihren Beschluss zählen u. a. das ungesunde Klima,
der Rückgang an effektiven Gewinne und die zu große Entfernung
von ihrem Kloster. Am 5. April 1355 wird der Piano d'Oneda auf sieben
Jahre verpachtet. Dabei verpflichtet sich der Pächter, Wiesen und
Häuser in einem guten Zustand zu erhalten. Die Dorfgemeinschaft von
Bagolino, vertreten durch zwei Bürger, zahlt 12 Pfunde aus Silber
in Brescianer Währung. Später, nämlich am 11. Februar 1451,
wird der gesamte Piano endgültig der Dorfgemeinschaft von Bagolino
verkauft. Die Kaufurkunde setzt der Notar S. Lorenzi auf. Die Mönche
behalten lediglich die Kirche und sechs Ellen des umliegenden Grundes.
Die Grafen von Lodrone beanspruchen
den Pian d'Oneda..
Mit seinem Verkauf gehört der Piano d'Oneda zum Gebiet von Bagolino.
Die Grafen von Lodrone, die bereits die Gebiete nördlich des Flusses
Caffaro besitzen, beanspruchen nun auch den Piano d'Oneda. Mit der Behauptung,
dass der Fluss ursprünglich am Fuße des Berges Castegnuda floss
und somit zu ihrem Gebiet gehörte, versuchen sie den attraktiven
Piano d'Oneda zu besetzen.
Um seiner Argumentation Nachdruck zu verleihen, lässt Albrigino von
Lodron den Lauf des Caffaro nach Süden, direkter zum See umleiten
(1357). Er lässt den Hochwasserschutz abbauen, den die Bagossi aufgebaut
hatten. Die somit dem Dorf beigebrachten Schäden sind sehr groß.
Das Gewässer des Caffaro überflutet über 800 jugeri des
bereits trockengelegten Grundes (Ein jugero war 240 Füße lang
und 220 Füße breit. Insgesamt verlieren die Bagossi 34560 Hektar
ihres Gebietes.)
Der willkürliche, arrogante Machtdemonstration der Herren von Lodron
bedeutet für die Gemeinde den Beginn von langwierigen und schwierigen
Auseinandersetzungen. Im Staatsarchiv von Brescia liegen die "Papiere"
über den Streit um den Piano d'Oneda kiloweise.
Um die Bedeutung des Piano zu verstehen, muss man berücksichtigen,
dass der lokale Konflikt zwischen Bagolino und den Grafen von Lodrone
auch ein übergeordneter Grenzkonflikt war: Der Fluss Caffaro bildete
die Grenze zwischen dem Brescianer Gebiet und dem Fürstentum von
Trient.
Um in den Besitz des Piano zu kommen, war den Lodroni jedes Mittel recht.
Als um 1387 der Mailänder Barnabò Visconti, ein Ghibelline,
das Brescianer Gebiet eroberte, suchte das Geschlecht der Lodroni dessen
Gunst und intrigierte gegen das mit den Guelfen verbündete Bagolino.
Mit Hilfe der politisch einflussreichen Gattin von Visconti, Regina Della
Scala, gewinnen die Bagossi diese Phase der Auseinandersetzung. Schließlich
kann das Dorf unter Bezahlung beachtlicher Geldsummen seine Autonomie
behalten.
Als die Mailänder Machthaberin durch Bagolino die Ernsthaftigkeit
der Auseinandersetzung begreift, befürchtet sie Übergriffe der
Herren von Lodrone auch in ihre Gebiete. Sie ordnet deshalb über
den Podestà (Bürgemeister) von Brescia den Bau einer Festung
auf dem Caffaro an (1384). Regina Della Scala stirbt aber noch im selben
Jahr und die Bauarbeiten kommen deshalb nicht in Gang. 1486 lässt
die Republik Venedig die Festung errichten, jedoch nicht nördlich
des Baches Riperone am Caffaro, wie die Herrin von Mailand geplant hatte,
sondern in der Ortschaft Rocca d'Anfo.
Die Zeit der Signorien
Das Geschlecht der Visconti erobert die Stadt Brescia und deren Gebiete.
Die Herrschaft der Visconti dauert bis zum Jahre 1404. In diesem Jahr
übernimmt der Ghibelline Pandolfo Malatesta die Macht an Stelle der
Visconti.
Um die Gunst unserer Talbewohner zu gewinnen, gewährt Pandolfo Malatesta
den Tälern gewisse Privilegien. Diese Privilegien gewährt er
aber auch aufgrund der Verdienste von Galvano da Nozza, dem Verteidiger
des Valle Sabbia, und Pietro Avogadro, dem Verteidiger des Valle Trompia.
Beide Männer kämpften zuvor auf der Seite Pandolfos. Auch die
Bagossi haben sich auf die Seite von Galvano da Nozza gestellt.
Diese Privilegien bedeuten praktisch eine größere Freiheit
und Autonomie für unsere Täler.
Einige Jahre später erobern die Visconti die Brescianer Gebiete verlustreich
zurück. Teile ihrer Truppen werden von Carmagnola geführt. Die
Talbewohner verteidigen ihre Täler unter der Führung von Galvano
da Nozza und Pietro Avogadro.
Als der Mailänder Filippo Maria Visconti für Brescia und die
Täler vorteilhafte Regelungen von Malatesta streicht, wächst
der Vorbehalt gegen die Visconti-Herrschaft. Die Brescianer verständigen
sich mit der Republik Venedig, die Gegenspieler der Visconti ist. Mit
Hilfe der venezianischen Truppen, wieder unter Führung Carmagnolas,
der inzwischen in Venedigs Diensten steht, vertreiben Brescia und die
Täler die Visconti.
Bagolino gerät unter die
Herrschaft der Republik Venedig 1440 und darauffolgende Jah
Bagolino hatte an der Seite von Galvano da Nozza gekämpft. Nach dem
Friedensvertrag von Ferrara von 1443, bei dem die Visconti das Brescianer
Gebiet Venedig zuerkennen, steht Bagolino unter venezianischer Herrschaft.
Die Republik Venedig erkennt die Hilfe der Talbewohner an und stellt die
Privilegien von Malatesta wieder her. Sie teilt die Provinz Brescia in
Bezirke. Bagolino gehört zum Bezirk des Valle Sabbia.
Als 1438 die Serenissima erneut den Visconti den Krieg erklärt, erkennt
der Graf Paride von Lodrone seine persönlichen und wirtschaftlichen
Chancen und schließt sich der Republik Venedig an. Bis dahin waren
die Lodroni mit den Visconti verbündet.
Der Graf Paride kämpft erfolgreich an der Seite der Serenissima,
zuerst in Valcamonica, dann 1439 in Val di Ledro (Ledro Tal). Nach seinem
Tode noch im selben Jahr heben sich seine beiden Söhne Giorgio und
Pietro im Kampf von Lodrone heraus.
Die Grafen von Lodrone erlangen
ihre Herrschaft über Bagolino wieder 1441 und darauffolgende Jahre
Obwohl viele Bagossi zugunsten der Republik Venedig gekämpft hatten,
belohnt der Doge F. Foscari seine hilfreichen Verbündeten Lodroni
mit dem Lehen von Muslone, der Grafschaft von Cimbergo, dem Pass von Baremone
und dem attraktiven Gebiet von Bagolino. (Der Doge erfüllt damit
die Erwartungen der Grafen).
Die Serenissima behält sich aber die volle Souveränität
über das Dorf vor und somit auch das Anrecht auf eine Rückgabe
des Lehensgutes.
Am 1. Oktober 1441, bei einer öffentlichen Versammlung auf einem
kleinen Platz nahe des Friedhofs, versprechen die Herren von Lodrone der
Gemeinschaft von Bagolino die Freiheit der Bräuche, zur Festlegung
ihrer Statuten, die Befreiung von Sondersteuern und die politische Autonomie
des Dorfes. Als Gegenleistung werden die Bagossi mit einer Pauschalsteuer
an die Lodroni belastet.
Die Herren von Lodron halten aber ihren Teil der Absprache nicht ein,
fordern Schutzgelder und versuchen erneut, sich des Piano d'Oneda zu bemächtigen.
Nach einer unsicheren Überlieferung errichten die Lodroni über
dem Dorf ein Schloss, von dem aus sie kleine Ortschaft "nicht mit
dem Gesetz der Vernunft, sondern mit dem Kommandostab (also gewaltsam)"
regieren.
Vermutlich 1444 zerstören die Bagossi das Schloss. In den Ruinen
der Burg fand man die berühmte Ikone der Madonna des Hl. Luca.
Aus dieser Zeit stammt auch die Quellennotiz über eine öffentliche
Vergabe des Lehensgutes von Riccomassimo an einen gewissen Agostino Lombardo
Franzoni aus Bagolino am 29. Januar 1442. Franzoni wurde damit für
seine Treue zu den Lodroni belohnt.
Bagolino gerät wieder unter
die Herrschaft der Republik Venedig 1472 und darauffolgende Jahre
BagossiDie Herren von Lodron werden inzwischen am 6. April 1452 per Urkunde
mit dem Grafentitel geadelt. Da sie ihre Verpflichtungen gegenüber
den Bagossi nicht einhalten, entscheidet der Doge Nicolò Tron zugunsten
der Bagossi und hebt im Juli 1472 die Herrschaft den Lodroni über
Bagolino auf. Die Bagossi gewinnen damit ihre Unabhängigkeit zurück.
Andererseits erhalten die Lodroni als Belohnung für deren Unterstützung
Venedigs von der Republik das Valle di Vestino als Schenkung.
Die Deutschen fallen in Italien
durch das Piano d'Oneda ein. 1509 und darauffolgende Jahre
Von 1509 bis 1517 beteiligt sich die Republik Venedig am Krieg gegen die
Franzosen und Spanier und erleidet dabei mehrere Niederlagen.
Bagolino gerät in Folge zunächst unter französische, dann
unter spanische Herrschaft
Während der spanischen Herrschaft wird Bagolino mit seiner Grenzlage
zum Trentino von den deutschen Kräften bedroht. Alemannen fallen
aus dem Trentino kommend zusammen mit den mit ihnen bereits verbündeten
Lodroni ein und zwingen die Bagossi aus dem Piano d'Oneda heraus.
Die Deutschen dringen bis zu dem Rocca d'Anfo vor, wo sie zunächst
von den nur vier Verteidigern aufgehalten werden:
von Giovanni Pezzarossi aus Bagolino, von einem gewissen Mabellino, einem
gewissen Bucella aus Anfo und einem Tagino aus Idro.Diese vier tapferen
Männer müssen kapitulieren und werden zum Tode durch den Strang
verurteilt. Nur einem von ihnen, Tagino aus Idro, gelingt die Flucht.
Später werden die Deutschen wieder von den Franzosen vertrieben,
die sich diesmal mit den Venezianern verbündetet hatten.
Bagolino kehrt 1517 unter die Herrschaft der Serenissima zurück.
Zwei Ereignisse aus diesen verwickelten Entwicklung möchten wir an
dieser Stelle hervorheben: Freroso, der Führer der französichen-venezianischen
Armee, plündert die Gebiete von Lodrone und Storo aus Rache an den
Lodroni, die von den Bagossi 400 goldenen Dukaten erpresst hatten. Der
zweite Vorfall betrifft einen Betrag von 60 Dukaten, die die Grafen von
Bagolino als Gegenleistung für die Genehmigung der Feier in San Giacomo
in Pian d'Oneda fordern. Die Bagossi zahlen nicht und die Grafen besetzen
als Represalie San Giacomo und verletzen den Wirt und dessen Ehefrau.
Die Bagossi informieren die venezianische Regierung über diese Vorfälle.
Die Serenissima reagiert auf diese Gewalttaten mit einem Embargo gegen
die Lodroni und verbietet "jede Art von Proviant von Ampho nach Lodron
sowohl über See als auch über Berge zu transportieren."
Diese Sanktion lässt die Grafen einlenken, die Venedig um Einigung
und ein freundschaftliches Verhältnis bitten. Die Republik Venedig
akzeptiert unter der Bedingung, dass die Lodroni "ruhige Verhältnisse
in unserem Grenzgebiet garantieren".
Bagolino widersetzt sich den
wiederholten Übergriffen der Grafen von Lodrone.
1540 und darauffolgende Jahre
Der tiefsitzende Hass gegen die Lodroni wegen der früheren und sich
wiederholenden Übergriffe veranlassen die Bagossi zu einer blutigen
Revolte (1554).
Einer der vielen Schikanen der Grafen trifft einige Kaufleute aus dem
Dorf, Battista und Bese Benini sowie Vincenzo Gogella. Es geht dabei um
eine finanzielle Angelegenheit.
Auf Einladung der Grafen besucht Gogella alleine (zwei weitere Kaufmänner
weigern sich) das Schloss von Lodrone. Er erhofft ein klärendes Gespräch
mit den Grafen. Stattdessen wird er im Schloss festgenommen.
Bereits drei Jahre zuvor brachten die Grafen einen Feldhüter um,
der sie angezeigt hatte, weil diese einige Bäume in Oneda geschlagen
hatten. Die Leidensfähigkeit die Bagossi im Juli 1544 erschöpft.
Sie begeben sich nach Lodrone und fordern die Freilassung von Gogella.
Nach vergeblichen Verhandlungen reagieren die Grafen mit Hakenbüchsenschüssen.
Der über Generationen angesammelte Hass lässt die Bagossi das
Schloss stürmen. Die Grafen Achilles und Otto werden im Kampf getötet.
Gogella wird in einem Backofen versteckt lebend aufgefunden. Die Bagossi
nehmen den Grafen Hippolyt gefangen und nehmen ihn 12 Tage lang als Geisel,
um allen im Trentino verstreuten Landsmännern die Rückkehr in
ihr Dorf zu ermöglichen. Die Bagossi lassen danach den Graf Hippolyt
an der Grenze zu Ponte Caffaro frei.
Im September 1555 bricht im Dorf ein Brand aus, der 129 Häuser und
den neuen Hochofen vernichtet. Allerdings ohne sichere Beweise, wird dieses
Unglück der Rache der Familie Lodrone zugeschrieben.
Bagolino zwischen Pest und Hungersnot:
1577 und darauffolgende Jahre
IInfolge der politischen Veränderungen im 16. Jh. wird Bagolino in
zahlreiche Kriege hineingezogen. Zusätzlich lassen verheerende Seuchen
(1347-1478 und 1577-1630) und die große Hungersnot das Dorf verarmen.
Tausende von Menschen verlieren dabei ihr Leben.
Die Bauarbeiten der Pfarrkirche
beginnen: 1624 und darauffolgende Jahre
Im Jahre 1624 gibt die Gemeinde Bagolino den Startschuss zum Wiederaufbau
und Ausbau der Pfarrkirche Sankt Georg. Damit entsteht die größte
Kirche in der Umgebung.
Vor den sehr hohen Belastungen und Kosten schrecken einige Bagossi zurück
und schlagen eine alternative Nutzung der Geldmittel vor.
Trotz dieser skeptischen Partei wird die Kirche innerhalb von 12 Jahren
fertig gebaut.
Die Grafen von Lodrone scheitern
beim Versuch, das Dorf erneut in Ihre Gewalt zu bringen: 1670 und darauffolgende
Jahre
Im Jahre 1624 gibt die Gemeinde Bagolino den Startschuss zum Wiederaufbau
und Ausbau der Pfarrkirche Sankt Georg. Damit entsteht die größte
Kirche in der Umgebung.
Vor den sehr hohen Belastungen und Kosten schrecken einige Bagossi zurück
und schlagen eine alternative Nutzung der Geldmittel vor.
Trotz dieser skeptischen Partei wird die Kirche innerhalb von 12 Jahren
fertig gebaut.
Im Jahre 1673 gelingt es den Grafen von Lodrone mit vielerlei Machenschaften,
das Dorf zeitweise wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit Hilfe der
Serenissima gewinnt Bagolino seine Unabhängigkeit aber alsbald wieder
zurück.
Als Rache erreichen die Grafen immerhin per öffentlich in Lodrone
verlesenem kaiserlichem Edikt die Verbannung aller Bagossi aus dem Trentino.
Das Abkommen von Rovereto: 1752
und darauffolgende Jahre
Mit der Ausweisung aus dem Trentiner Gebiet müssen die Bagossi die
Grenze des Trentino unter Kontrolle von dreihundert bewaffneten Männern
überschreiten. Die Grafen hatten den Fluss Caffaro wieder umgeleitet.
Die Bagossi müssen deswegen mit einem Holzgerüst aus den Caffaro
wieder in sein Flussbett zurückdrängen.
Erst am 31. August 1752 findet der Streit um den Besitz des Piano d'Oneda
ein Ende.
Mit dem öffentlichen "Abkommen von Rovereto" zwischen der
mittlerweile österreichischen Herrschaft im Namen der Kaiserin Maria
Theresa und der Gemeinde Bagolino wird das Piano d'Oneda endgültig
Bagolino zuerkannt. Die Gemeinde muss den Grafen "14.000 Gulden"
zahlen.
Zur Abgrenzung des Piano werden vier Grenzsteine gesetzt:
Der erste Grenzstein bei den Holzgerüsten; der zweite Grenzstein
am rechten Flussufer am oberen Ende des Dorfplatzes von Ponte Caffaro;
der dritte Grenzstein in der Nähe des Chiese und der "Brücke
der Deutschen" und der vierte Grenzstein auf dem linken Ufer des
alten Flussbettes des Chiese.
Die Pfarrei von Bagolino wechselt
zur Diözese von Brescia über: 1773 und darauffolgende Jahre
Mit dem Abkommen zwischen dem habsburger Reich und der Republik Venedig
geht die Pfarrei von Bagolino, zusammen mit der Pfarrei von Tignale, von
der Diözese von Trient zur Diözese von Brescia über.
Somit ist die Vereinigung von Bagolino mit Brescia bezüglich in Bezug
auf die Kirchenverwaltung erreicht, was für die zivile Verwaltung
bereits Jahrhunderte zuvor stattgefunden hatte.
Bagolino wird am 30. Oktober
1779 durch einem Brand zerstört.
Neben der verheerenden Überschwemmung des Caffaro (1757, die unter
anderem auch eine Schmiede, den alten Hochofen und zahlreiche Heuspeicher
zerstörte, nennen die Chroniken den größten Brand in der
Geschichte von Bagolino am 30. Oktober 1779. Er fordert zahlreiche Opfer
und zerstört das Dorf völlig. Unter vielen Mühen wird Bagolino
wieder aufgebaut. Erst gegen 1780 beginnt das Dorf, sich wieder zu erholen.
Niedergang der Republik Venedig
und Anbruch der Provisorischen Brescianer und der Zisalpinischen Republik:
Bagolino wird inKämpfe verwickelt: 1796 und darauffolgende Jahre
Mit dem Niedergang der Republik Venedig, deren Ende das Abkommen von Campoformio
am 7. Oktober 1797 besiegelt hatte, fallen die Brescianer Gebiete unter
die Herrschaft Napoleons. Dieser erobert im Krieg gegen Österreich
die Lombardei.
Am 26. Mai 1796 hält sich Napoleon in Brescia auf. Ein Teil der rebellierenden
Bürger von Brescia und Bergamo, insgeheim von den Franzosen unterstützt,
gründen die Provisorische Brescianer Republik, die 1810 der Zisalpinischer
Republik angegliedert wird. Die Täler und die Gegend um den See,
die für die Republik Venedig Partei ergreifen, müssen sich den
Truppen des Generals Chevallier ergeben. Diese zerstören mit "Feuer
und Schwert" die Dörfer Barghe und Vestone.
Die Bagossi befürchten dasselbe Schicksal, nachdem sie auf der Seite
Venedigs gegen die Zisalpinische Republik gekämpft haben. Sie senden
daher Delegierte nach Idro, wo die Truppen des Generals Chevallier versammelt
sind. Diese übergeben den Franzosen die Schlüssel des Dorfes
sowie 500 Gulden, was 185 Millionen Lire entspricht. Die Zisalpinische
Republik sieht von einer Strafaktion gegen die Gemeinschaft von Bagolino
ab, fordert aber Gehorsam ein. Außerdem muss Bagolino die Symbole
und Wappen der Serenissima entfernen: Ein Wappen befindet sich auf dem
Platz, unterhalb der Fenster des Gemeindehauses, der andere ist unter
dem Laubengang der San Giacomo Kirche.
Die neue Regierung löst das Nonnenkloster und weitere Bruderschaften
auf und entwendet das von der Familie Dalumi gestiftete Silberutensilien
aus der Pfarrkirche die. Bis heute ist der Verbleib dieser Kirchengeräte
unbekannt.
Während der wechselhaften Ereignisse und der Kämpfe zwischen
Franzosen und Österreichern quartiert sich ein Trupp Kroaten auf
dem Rückzug einen Monat lang in Bagolino bei Ponte Prada ein. Diese
Soldaten schließen sich dann General Wunser an, der mit weiteren
30.000 Soldaten auf einem Feldzug gegen die Franzosen den Pian d'Oneda
durchquert.
Bei den Schlachten von Lonato, Castiglione und Montichiari werden die
Deutschen besiegt.
Auf seinem Rückzug schlägt ein deutscher Truppenteil in Bagolino
in der San Rocco Kirche und auf der Wiese des Consiglio (Riva dei Bus)
sein Lager auf. Die Truppe bleibt bis französischen Truppen Storo
erreichen und sie zum weiteren Rückzug zwingen.
Nach den Deutschen dringen Franzosenn in Bagolino ein. Deren Offiziere
wohnen bei wohlhabenden Familien. Die Truppe nimmt Unterkünfte im
Palazzo Stagnoli (das Gebäude gehörte damals der Gemeinde),
in der San Rocco Kirche, in der Adamantino Kirche sowie auf den benachbarten
Wiesen.
Aufhebung der Zisalpinischen
Republik und Gründung des Italischen Reiches: 1802 und darauffolgende
Jahre
"Die Zisalpinische Republik ist nur von kurzer Dauer und hinterlässt
keinen guten Ruf. Persönliche Fehden, Durchsuchungen, häufige
Diebstähle, neue Steuern und willkürlich amtlich festgesetzte
Preise bilden die Bilanz ihrer Regierung die durch die Hungersnot, verheerende
Hagelschauer, die erzwungene Abgabe der Bücher der öffentlichen
Verwaltungen noch verschlimmert wird" (U. Vaglia).
Die Zisalpinische Republik wird durch das Italische Reich abgelöst,
das am 7. März 1805 gegründet wird. Die Brescianer Gebiete erleben
eine Zeit relativen Friedens.
Während des Italischen Reiches wird die Provinz in Verwaltungsbezirke
eingeteilt. Bagolino gehört zum Kreis Vestone, der wiederum zum Bezirk
Mella gehört. Während dieser Zeit werden Grundschulen gegründet,
die zu einer besseren Ausbildung beitragen. Nach dem Willen von Dr. Pietro
Riccobelli wird in Bagolino ein Gymnasium gegründet (1812), an dem
auch ortsfremde Schüler lernen werden.
Die Deutschen erobern die Macht
in der Lombardei zurück: 1814 und darauffolgende Jahre
Als Napoleon I zur Abdankung gezwungen wird, fällt die Lombardei
an das österreichisch-ungarischen Kaiserreich. Die Deutschen besetzen
Bagolino bis 1815.
Die österreichische Verwaltung teilt das Land in Provinzen ein. Diese
werden weiter in Kreise und Gemeinde unterteilt. Die Straßen durch
das Tal, die während der letzten Jahren unter venezianischer Herrschaft
vernachlässigt wurden, werden nun ausgebessert.
Der Staat übernimmt per Erlass des Vizekönigs Ranieri die vollständige
Instandsetzung der Verbindungsstraße zwischen Monte Suello und Bagolino.
Bei einem Besuch des Erzherzogs Ranieri in Valle Sabbia wird 1823 der
Grundstein zum Bau der Brücke Prada in Bagolino gelegt.
Diese Jahre wird bringen auch Ausbau des Saumpfades zwischen Bagolino
und dem Maniva.
Der Krieg zwischen dem sardischen-piemontesischen
und dem österreichischen Reich
Bagolino beteiligt sich an den historischen Ereignissen von 1821 -1848.
Das Brescianer Gebiet wird von einer Welle von liberalen und patriotischen
Gedanken durchdrungen.
Patrioten konspirieren und treiben die Bevölkerung bis zur Revolution
1848.
Am 5. April ergeht der Befehl, "jedes Wappen bzw. jedes Zeichen,
das an die überwundene Tyrannis anspielt, zu beseitigen. Auf jedem
Turm soll außerdem die Nationalflagge wehen" (U. Vaglia).
Als die Sarden und Piemontesen in die Provinz einziehen, braucht die Armee,
die am Mincio kämpft, dringend Rückendeckung.
Unter dem Kommando des Piemonteser Obersten Allemandi ziehen viele Bewohner
des Valsabbia in den Kampf. Am 9. April überschreiten sie die Grenze
zum Trentino, sie besetzen Condino und dringen bis Stenico vor. Hier erreicht
die Truppen der Befehl zum Rückzug. Die Soldaten, so Vaglia, "sind
müde und demoralisiert, vor Hunger völlig geschwächt, ohne
Munition und Nachschub. Den Soldaten wird auch klar, dass sie in konzept-
und planlosen Militäraktionen verheizt werden." Sie greifen
an, die Österreicher werfen sie aber bis Ponte Caffaro zurück,
das zusammen mit Prada und Bagolino von einem Bataillon unter der Führung
von Beretta besetzt ist.
Am 22. Mai umgehen die Deutschen Montesuello und versuchen, Rocca d'Anfo
zu erobern. Ihnen leistet Giacomo Lombardi, genannt Ciometto (aus Riccomassimo)
als Einzelperson Widerstand. Auf dem Wege nach Castegnuda, hält Lombardi
alleine 600 Deutsche auf, bis Crotti eintrifft und ihm über den sog.
"Himmelsweg" zu Hilfe kommt. Der Feind wird zurückgeschlagen
und am nächsten Tag besetzen unsere Soldaten Storo.
Nach diesem Sieg trifft die Nachricht über einen Waffenstillstand
ein. Beretta zieht sich aus Bagolino zurück und die Provinz wird
wieder österreichisch.
Im März 1849 flammen erneut kriegerische Auseinandersetzungen zwischen
Piemont und Österreich auf und Brescia versucht einen Aufstand gegen
Österreich. Zehn ganze Tage leistet Brescia erbitterten Widerstand,
was der Stand den Titel "Löwin Italiens" einträgt
Auch einige Bagossi nehmen an diesem Aufstand teil.
Die Rückeroberung im 1859
Wenige Jahre nach dem im August 1848 in Salasco ein Waffenstillstand geschlossenen
wurde, bricht 1859 wieder Krieg aus. Bagolino liegt auf der Demarkationslinie
zwischen den beiden Armeen. Die Frontlinie verläuft durch das Dorf,
weiter über Idro und Lavenone und über den Kamm zwischen dem
Degana und dem Toscolano Tal und endet in Maderno am Gardasee.
Die Talbewohner, noch gezeichnet von den Folgen des Krieges von 1848,
erhoffen sich mit der Vertreibung der Österreicher bessere Zeiten.
Die "Cacciatori delle Alpi" ("Alpenjäger") erobern
unter Führung des Generals Cialdini die Rocca d'Anfo und versuchen,
zur Tiroler Grenze vorzudringen.
Teile der Division Cialdini nehmen den Maniva mit Bajonettangriff ein,
steigen hinter der Rocca ab und vereinigen sich dort mit weiteren Truppenteilen,
die über die Straße von Anfo kommen, und besetzen gemeinsam
einen Teil der Festung.
Am 29. Juni 1859 siegen die Italiener, zusammen mit den verbündeten
Franzosen, in S. Martino und Solferino. Der Krieg ist hier zu Ende.
Am 29. Juni 1860 übergeben die Österreicher die Rocca d'Anfo
an die Nationalgarden von Bagolino, Anfo, Idro, Vestone, Lavenone und
Nozza.
Der Feldzug Garibaldis 1866
Nach der Gründung des italienischen Staates 1861 soll Venetien von
der Herrschaft der Habsburger befreit werden. Nach all den Jahren der
Entbehrung und der Kriege erwarten die Talbewohner die anrückenden
Garibaldi-Kämpfer.
In dem Gebiet um den Caffaro beginnen die militärischen Operationen
am 25. Juni und ziehen sich bis zum 4. Juli hinaus. An diesem Tag kommt
es zur Schlacht von Montesuello.
Am 1. Juli nutzen 3.000 deutsche Soldaten die Verlegung der Garibaldi-Truppe
zum Gardasee und besetzen Bagolino und Montesuello. Die Garibalidisten
hatten zuvor General Manara bei der Verteidigung von Brescia unterstützt.
Garibaldi verlegt daraufhin Truppen zurück in den hinteren Teil des
Tales. Am 3. Juli berät er die Lage in der Rocca d'Anfo. Mittlerweile
gelingt es dem Lehrer Stefano Pelizzari den Feind aus dem Dorf zu vertreiben.
Am Nachmittag des 4. Juli entbrennt die Schlacht. Garibaldi und weitere
266 Kämpfer werden verletzt, 44 Männer werden getötet,
22 werden vermisst.
Die Bagossi schicken zur Versorgung der Verletzten täglich eine große
Menge Eis aus den umliegenden Bergen nach Anfo.
Am 21. Juli dringt Garibaldi siegreich bis nach Bezzecca vor, wo er den
Rückzugsbefehl des Königs erhält. Enttäuscht über
den Geländegewinn, den er aufgeben muss, "neigte er seinen Kopf
und mit einem lakonischen 'Ich gehorche' akzeptiert er die Entscheidung
des Königs" (Vaglia). Der Waffenstillstand zwischen der italienischen
und der österreichischen Regierung wird am 9. August geschlossen.
Zur Erinnerung an den Krieg und auf Initiative von Major Guarneri, selbst
Kämpfer in Montesuello, wird 1876 das Ossarium-Denkmal in Montesuello
errichtet. Es soll an die Gefallenen erinnern, die zuvor in dem San Giacomo
Kirchlein beerdigt waren.
Der Afrika Krieg 1893 und darauffolgende
Jahre
Die Spuren der Kämpfe beim Caffaro sind noch nicht beseitigt und
schon müssen die Talbewohner in den "Afrika Krieg" ziehen,
den Italien gegen Abessinien führt.
Die Alpini, per Gesetz am 12. Oktober 1872 gegründet, stellen mit
15 Kompanien die meisten Soldaten. Die Soldaten stammen aus den Berggebieten.
Ihre Aufgabe war der Grenzschutz. Das fünfte Regiment bestand aus
den Bataillons Vestone, Edolo, Tirano, Morbegno.
Während des libyschen Krieges (1911-12) hebt sich das Bataillon Edolo
unter dem Kommando von G. Treboldi aus Anfo besonders heraus. Einige der
Soldaten: Domenico Bertoli aus Belprato, Agostino Amolino aus Sabbio Chiese,
Giovanni Mora aus Bagolino, Cesare Rossiní aus Vestone, Elia Vaglia
aus Anfo, Giovanni Albertini aus Vestone, Luigi Bettini aus Nozza.
Der erste Weltkrieg: 24. Mai
1915 und darauffolgende Jahre
Die Zerstörungen der zurückliegenden Jahre haben die Bagossi
hart getroffen, aber es kommt noch schlimmer. Die italienischen Soldaten,
nach der Eroberung Libyens kaum heimgekehrt, werden in den ersten Weltkrieg
geschickt. Italien ist zunächst neutral, schwenkt dann aber ein auf
die Politik der Interventionisten: Das sind der Partito Repubblicano (die
republikanische Partei), der Partito Socialista (die sozialistische Partei),
Fascio d'Azione Rivoluzionaria (das revolutionäre Aktionsbündel),
Partito Radicale (die radikale Partei), Movimento Futurista (die futuristische
Bewegung) etc.
Am 23. Mai 1915, um Mitternacht, tritt Italien gegen Österreich in
den Krieg ein.
In den Bergen um Bagolino und im Gebiet des Caffaro, die sich auf der
Grenzlinie befinden, finden die ersten Kämpfe statt.
Der meist als Stellungskrieg aus Schützengräben geführte
Kampf folgt der "Adler-Taktik", d.h. die Gipfel erobern und
halten, um von oben die Täler zu beherrschen.
In Richtung Termine Pass, an der Grenze zum Trentino, sind noch heute
die Reste von Militärbauten, von Schützengräben sowie von
verrosteten Drahtverhauen sichtbar. Es sind stille Zeugen eines langen,
zermürbenden Krieges.
In der Nacht zum 24. Mai 1915 passieren die "Bersaglieri", gefolgt
von den Alpini (5. Bataillon) und den Infanteristen (62. Regiment) die
Brücke im Ortsteil Ponte Caffaro, der Grenze zu Österreich.
Ziel ist die Eroberung des Trentino.
Als die Kämpfe blutiger werden, müssen die Einwohner des Piano
im Hauptort Bagolino Zuflucht suchen.
Schon einmal mussten sie sich vor den österreichischen Kanonen nach
Bagolino zurückziehen, die auf das Forte Cariola, auf das Forte Lardaro
und auf das Forte Corno zielen. Die Italiener erwidern das Feuer aus dem
Forte Baremone sowie aus der Rocca d'Anfo.
1918 ist für die Einwohner von Ponte Caffaro ein tragisches Jahr.
Die auf dem Forte Por aufgestellten Kanonen schießen unterbrochen
auf den kleinen Ortsteil an der Grenze.
Die Leute fliehen auf das Land, in die Keller oder nach Bagolino.
Die Häuser werden zerstört. Auch die Kirche wird unter Beschuss
genommen. Wie durch ein Wunder wird niemand getötet.
Nach dem Kriegsende im Sommer 1918 verbindet die Brücke in von Ponte
Caffaro wieder zwei italienische Flussufer. Italien hatte, so Biati, "ja
seine Grenzeansprüche durchgesetzt aber gleichzeitig neu Probleme
geschaffen, die die Unzufriedenheit der Bevölkerung schürte,
die zur Ursache neuer schlimmer Ereignisse werden wird".
Zum Gedenken aller Gefallenen aus Bagolino erwähnt Ugo Vaglia:
Scalvini Giovanni, Gefreiter des 5. des Alpini-Regiments, Bronzemedaille,
mit Mut und Gelassenheit diente er seinem Abteilungskommandanten mit seinem
energischen Kommando über einige Männer. Monte Ortigara, am
15. Juni 1917.
Stagnoli Carlo, Sohn von Carlo, Feldartillerie-Unteroffizier, Tapferkeitskreuz.
Als ein Teil der Artillerie schwer getroffen wurde, eilte er zu Hilfe,
obwohl er selbst schwer verletzt war. Soglio Rotto (Pria Forà Arsíero)
am 3. April 1918.
Zanetti Carlo Tebaldo, Sohn von Stefano Giulio, Leutnant im 5. Alpini-Regiment,
Kriegsfreiwilliger, Silbermedaille.
Unter seiner Führung konnten einige mutige Soldaten eine Lücke
in die feindlichen Drahtverhaue brechen und bereiteten den Weg für
einen Angriff. Er fiel als erster am Rand der feindlichen Verschanzung.
Basso Costone Vursic (Monte Nero) am 16. September 1916.
Alberti Giovanni, Sohn von Giuseppe, Obergefreiter 5. Alpini-Regiment
Bataillon Montesuello, Bronzemedaille.
Er war zuständig für eine Abteilung der Torpedowerfer. Unter
Beschuss, warf er unermüdlich Splitterbomben und Torpedos, bis er
von einer Granate tödlich getroffen wurde. Trincerone di Zugna am
23. August 1917.
Fusi Giovanni, Sohn von Pietro, Obergefreiter in der 530. Artillerie-Gruppe
Belagerung, 332. Batterie der Artillerie, Bronzemedaille.
Er war Leitungskontrolleur im Hochgebirge seit Kriegsbeginn. Er scheute
keine Gefahr, um die Funktion der Leitungen sicher zu stellen. Am 24.
Mai 1918, nach einem langen und gefährlichen Marsch, verlegt er neue
Leitungen und missachtetet todesmutig das feindliche Feuer. Punta Castellaccio
zwischen dem 25. und dem 26. Mai 1917.
Sechzig Jahre später (1975) trafen sich die Veteranen der ersten
Weltkrieges mit den österreichischen "Feinden" in Ponte
Caffaro. Beide Parteien verband die selben Friedensideale.
Es folgen Erinnerungen dreier Veteranen. Sie stammen aus dem Werk "Storia
di un Ponte" ("Geschichte einer Brücke").
Hans Biedermanns, 75 Jahre.
Wir haben die Italiener niemals gehasst. Es ist nicht unsere Schuld, dass
wir uns gegenseitig erschossen haben. Ich war 14 Jahre alt, als der Krieg
ausbrach. Ich war selbst im Krieg und habe gegen die Italiener gekämpft.
Die Italiener behalte ich in guter Erinnerung: Sie kämpften wie Verrückte
und schrieen immer. Ich freue mich, dass ich nach Italien zu diesem Anlass
als Freund gekommen bin.
Johann Virgolini, 77 Jahre.
Mein Familienname ist zwar italienisch, aber, soweit mir bekannt ist,
waren meine Ahnen stets österreichisch. Ich wohne in Feldkirchen.
Ich habe ebenfalls gegen die Italiener auf dem Monte Cimon und auf dem
Stelvio (Stilfser Joch) gekämpft. Ich war Kriegsfreiwilliger. Damals
in der Schule bläuten sie uns den Kopf mit diesen Dingen voll. Ich
habe niemals die Italiener gehasst und jetzt schätze ich sie noch
mehr. Ich bin froh, dass ihr Frieden geschlossen habt.
Pietro Cominotti, Odolo. 1915 blieb ich zu Hause: Ich war zu jung. Dann
als Alpini des "Vistù" habe ich die Heldentaten auf dem
Ortigara miterlebt. Es hat mich gefreut, nach so langer Zeit die Deutschen
wiederzusehen. Dass wir uns gehasst haben, daran ist niemand schuld. Nun
sind wir Freunde und das ist schön. Ich bin sicher, dass auch meine
verstorbene Kameraden sich freuen würden.
Zwischen erstem und zweitem Weltkrieg lernt Italien
die faschistische Diktatur von Benito Mussolini kennen
Der zweite Weltkrieg 1940 und
darauffolgende Jahre
Nach zwanzig Jahren relativen Friedens beginnt ein weiterer schrecklicher
Krieg. Die Erinnerung an den zweiten Weltkrieg ist bei den Überlebenden
noch präsent. Die Bevölkerung von Bagolino leidet wieder unter
den Tragödien und den Entbehrungen, den steten, traurigen Begleitern
des Krieges.
1946: Die Republik wird ausgerufen |